Nach 6 Jahren ITIL4 kommt jetzt, d.h. noch im Februar die neue ITIL-Version. Dies wollen wir zum Anlass nehmen, eine erste Einschätzung der neuen Version vorzunehmen. Erfreulich ist aus unserer Sicht, dass ITIL 5 nicht wie einige vorherige Versionen einen Bruch darstellt, sondern eine schlüssige Weiterentwicklung der Version 4 ist – Evolution statt Revolution. Bewährtes bleibt erhalten, während das neue Framework gleichzeitig wichtige neue Entwicklungen am Markt aufgreift und integriert. Dies betrifft insbesondere die Themen KI, automatisierte Betriebsformen und Experience-Orientierung.
ITIL 5 ist da – was ist neu?
- Digital Product & Service Management statt reinem Service Management – ITIL 5 erweitert den bisherigen Service-lastigen Fokus, indem es digitale Produkte und Services stärker gemeinsam in einem Modell abbildet. So können Produkt‑ und Service-Teams besser kooperieren.
- Erweitertes, einheitliches Lifecycle‑Modell – in der Service-Value-Chain wird der in der Version 4 etwas fragmentierte Lifecycle in 8 Schritte aufgeteilt. Dies sind: Discover, Design, Acquire, Build, Transition, Operate, Deliver, Support. Hierdurch wird das Modell klarer, einfacher und flexibler.
- ITIL 5 ist „KI-native“ – Künstliche Intelligenz ist nicht nur Add‑on, sondern wird vollständig in das Framework integriert, d.h. die Prinzipien für Automatisierung und KI-Nutzung sind durchgängig im Framework verankert. Neben der Darstellung der KI-Governance-Gestaltung sind KI-Aspekte unter anderem auch in allen Practice Guides enthalten.
- Stärkere Experience‑Orientierung – Nutzer‑ und Mitarbeitererlebnisse rücken stärker in den Mittelpunkt. Für jede Aktivität und jeden Service wird geprüft, welchen Beitrag er zur Wertgenerierung leistet. Und dies wird an den Erfahrungen von Nutzern und Mitarbeitern gemessen.
Was bleibt gleich?
- Guiding Principles, Four Dimensions, Service Value System aus der Version 4 bleiben das stabile Fundament.
- Alle 34 Practices der letzten ITIL-Version behalten ihre Gültigkeit.
- Bestehendes Wissen, Erfahrungen und Zertifizierungen behalten ihren Wert – es ist kein Neustart erforderlich.
Was bedeutet das für Unternehmen?
- Investitionsschutz: Bestehende Strukturen und Verfahren im Servicemanagement der eigenen Organisation können weiter genutzt werden. Mit den Erweiterungen in ITIL 5 können sie sukzessive weiterentwickelt werden.
- Mehr Alignment über die Organisation hinweg – ITIL wird mit seiner evolutionären Entwicklung noch stärker zum Enterprise‑Service‑Management‑Framework.
- Vorbereitung auf KI‑getriebene Digitalisierung: Die gute Integration von KI in dem Framework schafft einen soliden Rahmen, um intelligente Automatisierung im Service-Management zu etablieren und immer weiter auszubauen.
Unser erstes Fazit:
ITIL 5 schafft eine gute Grundlage für alle Organisationen, die sich im digitalen Produkt‑ und Servicezeitalter auf Basis der bisherigen eigenen Aufstellung weiterentwickeln wollen. So können sie weiterhin und ohne großen Bruch verlässlich, skalierbar und zukunftsfähig agieren.







